DAS FREMDE UND DAS EIGENE
Exotismus in Literatur, Kunst und Musik
Freitag und Samstag,
16. und 17. März 2012
| |
DAS FREMDE UND DAS EIGENE
Exotismus in Literatur, Kunst und Musik
Bereits seit den Anfängen der abendländischen Zivilisation ist das Exotische als Extremform des Unbekannten und Fremden Bestandteil eigener Kunst und Kultur. Nicht immer wird
dieses Fremdartige dabei negativ bewertet; oft erscheint es ganz im Gegenteil geradezu als
Inbegriff der Reinheit und Unschuld. Stets aber dient der Blick auf das Andere der Abgrenzung und damit zur Selbstvergewisserung des Eigenen.
Seine Hochkonjunktur hat der Exotismus als abendländisches Kunstsyndrom in den beiden
Jahrhunderten zwischen 1700 und 1900, wofür symbolhaft zwei Marksteine künden:
die Übersetzung der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht in eine westliche Kultursprache
von 1704 – 1717 sowie Napoleons von vielen Wissenschaftlern und Künstlern begleitete
Expedition nach Ägypten in den Jahren von 1798 – 1801.
Vertieft zum Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung wie öffentlicher Prä-
sentation werden die Ergebnisse von Forschungsreisen aber erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts,
wovon die neuen ethnographischen Sammlungen und Museen künden.
In der Musik des Okzidents hinterließen die osmanische Welt wie später auch der Ferne Osten
tiefe Spuren. Im barocken Typus der Türkenoper liegt der Exotismus zwar noch weitgehend
im Sujet, doch werden zuweilen bereits Elemente der türkischen Janitscharenmusik über-
nommen. Mit der Romantik wird das Streben nach charakteristischem Lokalkolorit, das ein
Kunstwerk in allen Teilen durchdringen müsse, maßstäblich. Oper und Instrumentalmusik
sind von diesem Reiz des musikalischen Exotisierens gleichermaßen geprägt.
Vielschichtig geraten die interkulturellen Auseinandersetzungen Europas mit der Welt des
Orients im Bereich literarischer Formen. Dabei fallen zwei epochale Tendenzen auf:
Die Literatur der Aufklärung bedient sich der Welt des Exotisch-Fremden gerne als fiktionale
Einkleidung zur Modellierung von Experimenten in Fragen der Gesellschaft und Religion.
Im 19. Jahrhundert sodann gewinnt die Welt des Orients in noch stärkerem Maße als vorher Eigen-
gewicht als Projektionsraum abendländischer Sehnsüchte.
Unser Seminar wird versuchen, in Form eines „west-östlichen Diwans“ aus Dichtung und
Musik, Architekturgeschichte und Wissenschaft einige Schlaglichter auf dieses reizvolle wie provozierende Verhältnis zum Exotischen im Abendland zu werfen.
|
| |
| Unkostenbeitrag/Veranstaltungsort |
Unkostenbeitrag:
€ 84,- für Mitglieder, € 98,- für Nichtmitglieder
Anmeldung bitte bis 13. Februar 2012 beim
Bayerischen Volksbildungsverband e.V.
Pienzenauerstr. 12
81679 München
Tel: 089 / 9 97 38 96
Fax: 089 / 9 97 38 9 - 73
e-mail: konzerte@bvv-ev.de
Mindestteilnehmerzahl:
15 Personen
Leistungen:
Leistungen: Sämtliche Vorträge, Führung Völkerkundemuseum incl. Eintritt,
Kaffeepausen, Begleitmaterial
Veranstaltungsort:
OTEC-Haus
Konferenzzentrum, Erdgeschoss
Grafinger Str. 2
(Ecke Friedenstraße)
81671 München
(S-Bahnhaltestelle „Ostbahnhof“,
Ausgang Friedenstraße)
Zu erreichen mit Tram 17 und Bus 51
Parkplatz am Eingang
Inzusammenarbeit mit
Stiftung OTTO ECKART |
|
|
| |
Einleitungsvortrag - Dr. Hermann Lindner und Thomas Krehahn M.A.
„Barbarismus-Orientalismus – Exotismus“
Vorüberlegungen zu einem problematischen Paradigma in Wissenschaft und Kunst
Dr. Hermann Lindner
„Oh schlimmes Europa!“
Der Exotismus als Verfahren der
Aufklärung in der Literatur des 18. Jahrhunderts
| 10.45 Uhr – ca. 12.15 Uhr |
Thomas Krehahn M.A
„Mamamouchi und Bassa Selim“
Türkenoper im 17. und 18. Jahrhundert
Mittagspause
(empfohlen in der Innenstadt, Nähe Maximilianstraße)
Dr. Annemarie Menke
Auf der Suche nach einem deutschen Baustil
Ein kurzer Spaziergang durch die Maximilianstraße
Führung durch das Völkerkundemuseum
Dr. Hermann Lindner
„Herrlich ist der Orient übers Mittelmeer gedrungen.“
Exotismus zwischen Sinnsuche und Sinnenlust in der Literatur des 19. Jahrhunderts
Thomas Krehahn M.A
"Pyramiden und Pagoden"
Exotismus in der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts |
| |
| |
|
Priv.-Doz.Dr. HERMANN LINDNER
Studium, Promotion und Habilitation an der Universität München. Zahlreiche Buch- und Aufsatzveröffentlichungen zur französischen
Literatur von der Renaissance bis zum 20. Jh., darunter Beiträge zur Lyrik von Romantik
und Parnasse sowie Publikationen zur Theorie und Praxis der Renaissance-Dichtung.
THOMAS KREHAHN M.A
Klavierstudium am Konservatorium, anschließend Studium
der Musikwissenschaft an der Universität München.
Konzerte im In- und Ausland, Vorträge und Seminare für verschiedene Kulturinstitutionen,
Leitung musikalischer Studienreisen, diverse CD- und Buchpublikationen.
Dr. ANNEMARIE MENKE
ist Kunsthistorikerin mit dem Schwerpunkt deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts (dazu einige Veröffentlichungen).
Bei ihren Führungen in München hat
sie sich spezialisiert auf Architektur, Stadtentwicklung wie auch Stadtbild.
Seit 1993 leitet sie die Studienreisenabteilung des Bayer. Volksbildungsverbandes. |
|
|
|